Mercedes-Benz 300 SLR Coupe oder:
Das 'Uhlenhaut Coupe', der Wagen eines genialen Konstrukteurs

Bereits als Mercedes 1955 mit dem 300 SLR die Straßenrennen dominierte, ließ Chefkonstruk-
teur Rudolf Uhlenhaut zwei der insgesamt neun 300 SLR zu Coupes umbauen. Da sich am Rahmen und damit am hohen Einstieg nichts Wesentliches geändert hatte, wurde hier wieder auf die alte Flügeltürlösung zurückgegriffen. Ursprünglich waren die Coupes für den Einsatz in Langstreckenrennen gedacht. Doch weil sich Mercedes im selben Jahr zum Ausstieg aus dem Motorsport entschloss, kam es nicht mehr zum Renneinsatz.

Stattdessen diente eines der Coupes Uhlenhaut als exklusives Dienstfahrzeug. Wie einzigartig dieser Firmenwagen war belegen einige Zahlen: Mit seinen ca. 300 PS verfügte er über mehr als das Zehnfache der Leistung eines damals üblichen VW Käfers. Das reichte nicht nur für eine Spitzengeschwindigkeit von 290 km/h - der Käfer schaffte gerade mal 110 - sondern zu seiner Zeit auch für den Titel als schnellstes zugelassene Straßenfahrzeug der Welt.

Mit der Alltagstauglichkeit gab es jedoch einige Probleme. Zumindest nach Ansicht Uhlenauts Nachbarn, deren Nachtruhe beim morgendlichen Start des Rennwagens schwer gestört wurde. Dafür war der Konstrukteur aber schnell weg. Denn Uhlenhaut galt auch als begnadeter Fahrer. Bei Abstimmungsfahrten, sagt man ihm nach, soll er zu den Werksfahrern konkurrenzfähig gewesen sein. Und auch bei Dienstreisen, weiß man zu berichten, verblüffte Uhlenhaut gelegentlich dadurch, dass er die Reiseziele in der halben Zeit erreichte.

All diese Umstände und Anekdoten haben dazu beigetragen, dass der Wagen nicht unter seiner offiziellen Bezeichnung '300 SLR Coupe' bekannt ist, sondern - nach seinem Konstrukteur und Fahrer - als 'Uhlenhaut Coupe' zur Legende wurde. Auch damals schon überließ man die Namensgebung nicht dem Zufall. So soll der Name SLR - als Abkürzung für 'Sport Leicht Rennen' - aus der Vermarktungsabteilung von Daimler stammen. Für die Rennabteilung hätte es gewiss auch '300 SL II' getan.

Doch im Falle des Coupes war die Geschichte stärker als der Wille der Chefetage. Wobei angemerkt werden muss, dass Rudolf Uhlenhaut später selbst Mitglied des Vorstandes von Daimler-Benz wurde. Da es dankbarer Weise auf den leeren Autobahnen damals trotz Uhlenhauts Fahrstil zu keinen Unfällen gekommen war und, da auch die Nachbarn ihre Wut nicht in zerstörerische Bahnen lenkten, sind heute alle beiden 300 SLR Coupe im Besitz von Mercedes-Benz noch erhalten, wovon einer im Werksmuseum zu besichtigen ist.

Im Gegensatz zu einigen Konkurrenten hat Daimler auch in Krisenzeiten seine Sammlung nicht versilbert. Experten schätzen, dass bei einer Auktion sicher um die 50 Millionen Euro für einen der Wagen geboten werden würden - in Zeiten, in denen die Aktienindizes auf Rekordniveau stehen sicher noch mehr. Allerdings steht nicht zu erwarten, dass Mercedes eines der Fahrzeuge verkaufen oder versteigern lassen wird.