Corvette C1
Die Corvette ist ein US-amerikanischer Sportwagen von General Motors in der inzwischen sechsten Generation. Als die erste Corvette 1953 produziert wurde, war sie der erste rein amerikanische Sportwagen. Früher wurde sie als Chevrolet Corvette angeboten. In Europa läuft sie inzwischen nur noch unter dem Markenname Corvette, um sich deutlich von anderen Chevrolet-Fahrzeugen abzuheben.

Harley Earl war ein begnadeter Chefdesigner bei GM. Zahlreiche technische Innovationen und Designelemente, zum Beispiel die bekannten Heckflossen, gehen auf seine Ideen zurück. Der Autosportenthusiast brachte es bis zum Vizepräsidenten des Konzerns.

Dessen Wunsch war Anlass zur Entstehung der Corvette. Sie sollte die Antwort zum damals in den USA sehr erfolgreichen Jaguar XK120 und dem MG TD sein. Die amerikanischen Hersteller hatten dem nichts entgegenzusetzen. Ein amerikanischer Sportwagen musste her. Der größte Einwand von GM-Präsident Curtice gegen Earls Idee betraf die Kosten. Aus diesem Grund plante Earl für den Prototyp eine Fiberglaskarosserie. Diese war wesentlich billiger als die Fertigstellung einer Stahlkarosse. Curtice erklärte sich am 2. Juni 1952 einverstanden. So entstand ein wunderschöner weißer Roadster mit rotem Leder-Interieur.

Als so genanntes Traumauto wurde dieser bei Autoausstellungen präsentiert, um die Reaktionen der Öffentlichkeit zu testen. Das Auto begeisterte das Publikum und so begann am 30. Juni 1953 die Serienfertigung. Die Technik hielt allerdings nicht was das Äußere versprach.

Niemand außer Earl hatte bei GM mit einem solch schnellen Erfolg der Corvette gerechnet. Vor allem nicht die Ingenieure. Sie hatten die Aufgabe in kürzester Zeit einen Motor und ein Fahrwerk zu beschaffen. Es wurde auf einen Sechszylinder aus der Vorkriegszeit zurückgegriffen. Das in aller Eile konstruierte Fahrwerk war für einen Sportwagen viel zu schwammig. Die Corvette erreichte mit ihren 150 PS gerade einmal 172 km/h. Sie hatte keine Türgriffe, ein Plastik-Schiebefenster und ein undichtes Faltdach. Dennoch war sie fast doppelt so teuer wie jeder andere Chevrolet. Aus diesen Gründen brachen die Verkaufszahlen nach der ersten Euphorie schnell ein. Von den 3265 Exemplaren, die 1954 gebaut wurden, fanden 1076 keinen Käufer. Schon wurde über die Einstellung der Produktion diskutiert. Da präsentierte Hauptkonkurrent Ford den Thunderbird. Er war schneller, sportlicher und kostete 2695 Dollar, während die Corvette nicht unter 3523 Dollar zu haben war. Diese Herausforderung musste GM annehmen. Die Corvette erhielt eine zweite Chance.

Konstrukteur Zora Arkus-Duntov überarbeitete das Fahrwerk. Chefingenieur Edward Cole entwickelte einen neuen V8-Motor. Das 4,3-Liter Aggregat leistete 195 PS. Damit war der Sprint von 0 auf Tempo 100 in neun Sekunden möglich. Mit diesem Motor, dem neuen Fahrwerk und einem geringeren Preis kehrte die Corvette auf die Erfolgsspur zurück.
1956 überarbeitete Earl das Design:
Die Heckflossen verschwanden, die neuen Lufteinlässe hinter den Vorderrädern wurden durch die zweifarbige Lackierung betont. Türgriffe, Kurbelfenster, Radio und ein elektrisches Faltdach erhöhten den Komfort. Ein Jahr später erhöhte man den Hubraum auf 4,6-Liter. Zusätzlich bekam der Motor eine Benzineinspritzung. Der so ausgerüstete Motor leistete nun 283 PS. Das neue optionale Viergang-Getriebe unterstrich den sportlichen Anspruch. 1958 entschied sich Ford den Thunderbird mit zwei zusätzlichen Sitzen auszustatten, um eine andere Zielgruppe zu forcieren. Im gleichen Jahr bekam die Corvette ein erneutes Facelift. Die Idee von Earl war die Front mit Doppelscheinwerfer und mehr Chromschmuck zu versehen. Der Erfolg dieser Maßnahmen zeigte sich in den Verkaufszahlen. 1960 machte Chevrolet erstmals Gewinn mit der Corvette. Dass sie überhaupt so lange überlebt hatte, verdankte sie unter anderen dem Enthusiasmus Earls für sein „Baby“.
Die nächste größere Überarbeitung der Corvette erfolgte 1961. Vier Leuchten zierten nun das Heck und gaben bereits einen Ausblick auf die zweite Corvette-Generation. Denn mittlerweile stand eine Fortsetzung dank des Erfolgs außer Frage.

Schon 1961 war jedoch ein neuer Designer am Werk: William Mitchell bestimmte als Nachfolger von Harley Earl das Aussehen der Corvette in den nächsten Jahren. Beim Entwurf des Sting Ray ließ er sich übrigens von Haien inspirieren. Aber das ist eine andere Geschichte …