Mercedes-Benz 300 SLR
Nachdem sich in der Rennsaison 1952 herausgestellt hatte, dass im Straßenrenn-
sport keiner der Wettbewerber ernsthaft etwas gegen den Mercedes 300 SL ausrichten konnte, beschloss Daimler-Benz auch wieder in die Formel Eins einzusteigen. Hier startet man 1954 erstmals - und wurde auch gleich Weltmeister. Doch auf den Lorbeeren ausruhen konnte sich die Stuttgarter trotz der sensationellen Erfolge nicht. Denn die Konkurrenz war wild entschlossen und schwer bemüht den Vorsprung der Deutschen aufzuholen. Deshalb galt es den bereits einige Jahre alten Renn-300 SL weiter zu entwickeln. So bekam der bisherige Gitterrohrrahmen 1955 eine neue Karosse, die noch besser auf die Anforderungen zugeschnitten war.

Zum einen ging es dabei - erstaunlicherweise - um Platz und Nutzlast. Mit einem 256 Liter Tank und Raum für gleich zwei Ersatzräder war der neue Wagen für Langstreckenrennen gut gerüstet. Aber vor allem sollte die Aerodynamik verbessert werden. Dabei war schon der 300 SL ein Meisterstück. In späteren Windkanaltests ergab sich ein Cw-Wert von 0,25, was selbst bei heutigen Supersportwagen als erstklassig gilt und nur von wenigen unterboten wird. Allerdings wurde der neue Wagen vorerst nur in offener Ausführung gebaut - diesbezüglich ein Nachteil. Besondere Reserven erkannte man aber im Unterboden, weswegen hier die einzelnen Komponenten höher gesetzt wurden, um ein möglichst glattes Design zu erreichen.

Natürlich verfeinerte man auch die Technik. Das galt sogar für den Formel-Eins-Weltmeister-Motor aus dem Vorjahr, der in dem neuen Wagen - welcher nun 300 SLR heißen sollte - Einzug hielt. Neben weiteren Maßnahmen wurde dieser auf die bekannten drei Liter Hubraum aufgebohrt, denn im Grand Prix Rennsport waren nur 2,5 Liter zulässig. Auf den Prüfständen erreichten die überarbeiteten Maschinen fast 300 PS Leistung. So waren die Mercedes für die Saison 1955 gut gerüstet, um erneut bei den namhaftesten Rennen siegreich zu sein und die Konkurrenz gebührlich auf Abstand zu halten. Höhepunkt war schließlich der Sieg von Sterling Moss bei der Mille Miglia mit der Startnummer '722'. Genau 7:22 Uhr gestartet, absolvierte er das Langstreckenrennen in einer neuen Rekordzeit, die auch bis zur Einstellung des Wettbewerbs 1957 nie mehr erreicht werden sollte.

Auf sehr tragische Weise schrieb ein anderer Fahrer mit einem 300 SLR im gleichen Jahr Rennsportgeschichte. Beim 24-Stunden Rennen von Le Mans lieferten sich Mercedes mit einem Jaguar ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen, als Letzerer unverhofft ausscherte und der nachfolgende Bouillon - der unter dem Pseudonym Pierre Levegh fuhr - beim Ausweichversuch einem langsameren Wagen deart ins Heck krachte, dass er über diesen hinweggeschleudert wurde. In der Folge landete er auf der Boxenmauer, rutschte auf dieser bis zu einer Kante, wodurch das Fahrzeug dann über die Hochachse in die Zuschauermenge schleuderte. Neben dem Piloten selbst fanden dabei über 80 Zuschauer den Tod. Obwohl der führende SLR mit Stirling Moss in der Folge einen anshenlichen Vorsprung herausgefahren hatte, entschloss sich Mercedes umgehend das Rennen zu beenden.

Die Rennleitung lies jedoch weiterfahren um, wie sie später sagte, eine Panik zu verhindern. Doch war nach dieser Tragödie, die bis heute als schwerster Unfall im Motorsport gilt, dieser mit einem dunklen Schatten behaftet. Etliche Rennen wurden ganz abgesagt und vieles überdacht. Dort wo noch gefahren wurde siegten aber weiterhin die Mercedes, die so auch den Markenweltmeistertitel errangen. In Stuttgart allerdings war die schreckliche Le Mans Katastrophe auch frisches Wasser auf die Mühlen jener, die schon vorher der Ansicht waren, die Kunst der Ingenieure sei bei der Entwicklung von Serienmodellen besser aufgehoben. So beschloss der Vorstand schließlich den Ausstieg aus dem Rennsport. Dabei war es zuvor genau dieser gewesen, der den Namen Mercedes-Benz in kürzester Zeit zur absoluten Elite des Automobilbaus wieder zugehörig werden ließ.